Donnerstag, 28. Juli 2016

ungeschriebener Dresscode



Kürzlich erhielt ich einen Dolmetschauftrag mit Dresscode. business casual attire“  hieß es da. 
Normalerweise ist ein solcher Hinweis in unserem Beruf nicht üblich und nicht notwendig, aber anscheinend gab es diesmal einen Grund. 
Es fragt sich allerdings, ob die Verursacherin dieser besonderen Klarstellung die Anmerkung verstanden und umgesetzt hätte.

Dass man sich dem Anlass entspreched kleidet und sich der jeweiligen Umgebung anpasst, müsste hinlänglich bekannt sein. Auch müsste jedem klar sein, dass man bei der Kleidung zwischen Beruf und Freizeit unterscheidet.

Nicht immer ist ein Dresscode vorgegeben, aber es gibt gewisse ungeschriebene Gesetze.
Als Gast bei einer Hochzeit trägt man nicht weiß; das ist der Braut vorbehalten. Man trägt auch nicht schwarz, weil das die Farbe der Trauer ist und nicht zu einem fröhlichen Anlass passt.
Bei einer Beerdigung dagegen ist schwarze Kleidung angebracht, notfalls eine andere gedeckte Farbe wie dunkelblau, grau oder braun. Der Herr sollte auf jeden Fall eine schwarze Krawatte umbinden. 
Der Smoking ist ein Gesellschaftsanzug und hat in der Kirche nichts verloren, genau so wenig wie das schulterfreie Abendkleid, und Shorts gehören weder ins Büro noch in einen buddhistischen Tempel …..

Kleider machen Leute, sagt man. Es kann auch umgekehrt sein. So manch ein Prominenter dient durch seine äußere Erscheinung als Vorbild. 

Gerade ist wieder eine neue Leitfigur in den Medien aufgetaucht – die neue britische Premierministerin Theresa May. Sie ist eine sehr elegante Erscheinung und beweist (bisher) sicheren Geschmack beim Outfit. In dieser Beziehung kann sie beinahe mit Christine Lagarde, der Chefin des IWF, mithalten.

Michelle Obama dagegen, eine andere prominente Dame, haut mit ihrem Kleiderstil gelegentlich total daneben. Es bleibt mir ein Rätsel, warum die Presse sie als Stilikone bezeichnet. Ganz offensichtlich fehlt ihr das Gespür für das richtige Outfit zum gegebenen  Anlass. Kürzlich sah man sie bei einer Trauerfeier in einem ärmellosen Cocktailkleid aus schwarzer Spitze, ....... immerhin schwarz!

Donnerstag, 21. Juli 2016

Zeit für Sonnenbrillen


Jetzt kommen die Sonnenbrillen wieder zum Einsatz. Und es geht beileibe nicht nur um Blendschutz oder darum, die Augen gegen die schädlichen UV-Strahlen abzuschirmen.
Die Sonnenbrille ist ein modisches Accessoire. Im Idealfall passt sie zum Outfit und komplettiert den Gesamtlook.
Ein schickes Designerteil in der richtigen Form und Farbe ist ein echtes Fashion-Statement. 
Aber Brille ist nicht gleich Brille, ob modisch oder klassisch.
Zu dunkle oder verspiegelte Gläser können für den Gesprächspartner sehr unangenehm sein. Es erzeugt ein unsicheres Gefühl, wenn man die Augen seines Gegenübers nicht sehen kann. Besonders verwirrend ist es, wenn man beim Gespräch ständig sein eigenes Spiegelbild vor sich sieht.  
Dann ist es angebracht, die Brille entweder kurz abzusetzen oder nach oben zu schieben. Die in die Haare geschobene Sonnenbrille ist ja absolut angesagt und kann sehr schick aussehen.  
Generell gehört die Sonnenbrille aber ins Freie. Im geschlossenen Raum verliert sie ihren Sinn, und bei Abendveranstaltungen wirkt selbst das edelste Designermodell in den Haaren nicht mehr schick, sondern eher etwas lächerlich. 

Mittwoch, 13. Juli 2016

Du oder Sie



Wenn ich mich nur mit dem Vornamen vorstelle, gebe ich meinem Gegenüber damit zu verstehen, dass ich geduzt werden möchte. Es heisst aber noch nicht, dass ich ihn auch duzen darf.

Normalerweise geht es heute viel lockerer zu als früher. Unter gleichaltrigen jungen Leuten duzt man sich automatisch, und dabei gibt es praktisch keine gesellschaftlichen Schranken. Da duzt der Verkäufer den Kunden und der Gast duzt den Kellner. Für Menschen jenseits der 50 ist das etwas gewöhnungsbedürftig. 

In vielen Berufszweigen gehört das vertrauliche Du unter Kollegen heute zum Alltag. Selbst im Krankenhaus, wo eine klare Hierarchie herrscht, bildet häufig nur noch der Chefarzt eine Ausnahme. Alle anderen sprechen sich mit Vornamen und Du an.

Die weibliche Stimme im Call-Center des Online-Shops spricht den Anrufer ebenso mit dem vertraulichen Du an wie der Mitarbeiter beim Pizza Lieferservice. Der Rentner am anderen Ende der Leitung empfindet das möglicherweise als respektlos, .... wenn er es nicht als Kompliment für seine jugendliche Stimme interpretiert.

Andererseits gibt es auch heute noch Domänen, wo es traditionell förmlicher zugeht. Im Bereich der gehobenen Hotellerie und der Edel-Gastronomie zum Beispiel wird viel Wert gelegt auf die korrekte Anrede, genauso wie in gewissen etablierten Firmen und Dienstleistungsbetrieben. Man denke an Nobelkarossen und Schmuck. 

Glücklicherweise sind Smartphones und Tablets längst nicht mehr nur den Jungen vorbehalten, und so schaut auch Oma gelegentlich im Apple Store vorbei. Das bedeutet aber nicht, dass sie dort genauso angesprochen werden will wie der coole Teenager. 

Das Zauberwort heißt Differenzierung!