Mittwoch, 15. April 2015

schauriges Gewölk



Es sind beileibe nicht nur die Anglizismen – unsere Sprache verändert sich kontinuierlich und in vielfältiger Weise.

Man muss sich nur 30 oder 40 Jahre alte Spielfilme anschauen und dabei auf die Umgangssprache achten. Das klingt zum Teil richtig altmodisch und ziemlich bieder, auf jeden Fall wesentlich formeller als wir das heute kennen.

Die deutsche Sprache lebt, sie entwickelt sich weiter – auch banale Ausdrucksweisen bleiben davon nicht verschont. Mit „Echt jetzt?“  zum Beispiel hat vor der Jahrtausendwende noch kaum jemand sein Erstaunen kundgetan.

Umgekehrt fällt bei neu hergestellten Historienfilmen auf, dass die Regisseure nicht immer auf eine authentische Sprache achten. Zurzeit ist der zweite Weltkrieg im deutschen Fernsehen wieder aktuell und damit das Thema Flucht, Vertreibung und Besatzung. Wenn dann der  Hitlerjunge seine Freundin mit „hallo“ begrüßt oder wenn er verkündet, dass er „sauer“ ist, passt das nicht so ganz.  

Mir fällt die Veränderung der Sprache in letzter Zeit auch bei den Wettervorhersagen auf. Da haben sich ganz neue Ausdrucksweisen eingebürgert. So bleibt es in Deutschland nicht mehr bei Regenschauern – inzwischen schauert es oder das Wetter wird schaurig. Wolken sind nicht mehr nur Wolken, auf der modernen (digitalen) Wetterkarte heißen sie heutzutage Gewölk.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen