Dienstag, 4. November 2014

Pflichten des Hausgastes



Dass man das Bett abzieht, wenn man bei Freunden übernachtet hat, war für mich schon immer selbstverständlich.

Man zieht die Laken und Bezüge ab und legt alles locker gefaltet auf einen Stuhl oder auf das Bettende.  Auch die benutzten Badetücher faltet man einmal zusammen und legt sie oben auf die  Bettwäsche. Nur wenn sie noch feucht sind, lässt man sie besser im Badezimmer. Dann hängt man sie ordentlich über den Badewannenrand.

Ausgenommen von dieser Regel sind Gastgeber mit Hauspersonal. Da lässt man stattdessen ein angemessenes Trinkgeld auf dem Nachttisch liegen.

Eine andere Ausnahme war meine kürzlich verstorbene Freundin Gesa. Sie  war ein besonderer Mensch mit einem großen Herzen, war unkompliziert und ließ schon mal Fünfe grade sein.
Für profane Dinge wie Bügeln hatte sie keine Zeit und zum Sortieren der Wäsche auch nicht. T-Shirts, Handtücher und Bettlaken hatten bei ihr die gleiche grau-braun-blaue Farbe und einen einheitlichen Knitterlook.

Dafür hatte sie immer Zeit für ihre Freunde und ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte ihrer Mitmenschen, und sie war überaus gastfreundlich. Bei ihr fühlte man sich stets willkommen. Man kriegte immer eine selbstgekochte Mahlzeit und konnte jederzeit in ihrem Gästezimmer übernachten.

Allerdings durfte man bei ihr nach der Übernachtung die Bettwäsche nicht abziehen. Nach nur einer Nacht konnte da ja noch ein anderer Gast drin schlafen. Sie war überzeugt, dass alle ihre Gäste auf körperliche Hygiene achteten. Warum also Wasser, Strom und Zeit verschwenden!

Ich bin ein bisschen pingeliger und hatte zur Sicherheit immer einen Schlafsack im Gepäck, wenn ich in ihre Richtung fuhr.

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