Montag, 7. April 2014

Die Schlacht am Buffet



Leute zu beobachten, gehört für mich zu den spannendsten Beschäftigungen.

Besonders interessant finde ich es am Selbstbedienungs-Buffet. Es spielt keine Rolle, ob es kostenlos ist, im Zimmerpreis inbegriffen oder ob eine Pauschale dafür bezahlt wurde.  


Meistens gibt es einen richtigen Run auf das Buffet, kaum dass es eröffnet ist. Da wird gedrängelt, geschoben und geschupst. Jeder möchte der Erste sein. 


Dabei stellt man kaum einen Unterschied fest zwischen Jung und Alt, Arm und Reich. Der Kampf um das Futter gehört wohl zu den menschlichen Urinstinkten.


Bei meinen Verhaltensstudien entdecke ich immer wieder die gleichen Charaktere. 


Da gibt es die Gierigen. Sie laden sich den Teller so voll wie nur irgend möglich und schaffen es kaum, ihn unversehrt bis zum Tisch zu transportieren.


Eine Abart dieser Spezies sind diejenigen, deren Augen größer sind als ihr Magen. Sie bedienen sich äußerst großzügig, lassen dann aber die Hälfte stehen. 


Kürzlich habe ich tatsächlich gesehen, wie sich jemand ein riesiges Stück Appenzeller Käse auf den Teller lud, zweimal hineinbiß und den unappetitlichen Rest dann achtlos liegen ließ. 


Die Ordentlichen – ich muss zugeben, das sind vor allem Frauen -  entledigen sich gleich aller Abfälle vor Ort. Sie trennen die  Wurstpelle schon am Buffet ab, schneiden die Rinde vom Käse und legen diese auf die Käseplatte zurück.


Die Unentschlossenen pflanzen sich raumgreifend vor dem Buffet auf und blockieren jeden Blick darauf. Sie begutachten alles und entscheiden sich erst, wenn sie die Auswahl genauestens analysiert haben. 


Die besonders Eiligen dagegen schneiden sich ihr Brötchen schon am Buffet auf und schmieren sich gleich vor Ort die Butter drauf. 


Nervig sind auch die Grüppchen, die sich vor dem Buffet zum Gesprächskreis aufstellen und alle anderen daran hindern, sich dort zu bedienen.


Ich bin immer wieder erschüttert zu sehen, wie bei solchen Gelegenheiten alles auf der Strecke bleibt, was man in der Kinderstube gelernt hat – oder gelernt haben sollte.

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