Sonntag, 23. Dezember 2012

meine deutsche Weihnacht




Nach knapp 4 Monaten Ehe schwebten wir immer noch auf der berühmten Wolke, und in diesem Zustand knisternder Verliebtheit feierten wir das erste gemeinsame Weihnachtsfest.

Es fand bei meiner neuen Verwandtschaft in einer  langgestreckten Berliner Etage statt. Im vorderen Teil der Wohnung befanden sich die Wohnräume und ein Fremdenzimmer, in der Mitte das typische Berliner (Durchgangs-)Zimmer, dahinter mehrere Schlaf- und Gästezimmer und die Küche.

Fritz wurde in das Fremdenzimmer im vorderen Teil einquartiert. Mir wies man ein Gästezimmer im hinteren Bereich zu, wohlbehütet zwischen Schwiegermutter und Tanten. Unsere Kontakte beschränkten sich zwangsläufig auf ein paar heimliche Berührungen und dezente Wangenküsse. Es war grausam!

Auch der Ablauf des Weihnachtsfests war für mich ungewohnt. Es fing damit an, dass es am 4.Advents-Sonntag Sauerkraut und Rippchen gab, bei uns zu Hause ein typisches Werktagsessen. 

Heiligabend verbrachten wir zu sechst im Herrenzimmer. Auf dem runden Tisch in der Mitte stand ein schüchternes kleines Tännchen mit winzigen weißen Kerzchen, die Ästchen mit Kunstschnee besprüht, von der Art, wie man sie bei uns auf die Gräber stellt. Eine Krippe gab es nicht. 
Jeder der Anwesenden hatte sein eigenes kleines Geschenke-Tischchen. Man besah sich die Präsente, äußerte sich wohlwollend zu der guten Wahl und bedankte sich höflich bei den Anwesenden für die hübschen Taschentücher, das geschmackvolle Briefpapier und die duftende Seife. 

Dann setzte man sich auf die schweren Ledersessel  - Fritz und ich in gebührendem Abstand von einander  - und machte artig Konversation. Fräulein Elschen füllte die Gläser mit süßem Dessertwein und reichte eine Schale mit Konfekt herum.

Musik gab es nicht. Die Gesellschaft bestand aus meiner Schwiegermutter, 2 ältlichen Tanten und Fräulein Elschen, der guten Seele des Haushalts. So gesehen war es wahrscheinlich  ein Segen, dass nicht gesungen wurde! 

In den folgenden Jahren gingen wir dazu über, in meiner italienischen Großfamilie mit Kind und Kegel Weihnachten zu feiern, so richtig üppig mit einem großen Christbaum, Hausmusik, stundenlangem leckerem Essen, Mitternachtsmesse und anschließendem Ausklang mit Champagner und Panettone.

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