Donnerstag, 26. April 2012

Übersetzungen



Teekesselchen

„mein erstes Teekesselchen sitzt zu Hause und mein zweites Teekesselchen steckt an der Schraube“ Eingeweihte erraten sofort, dass es sich dabei um den Ausdruck  Mutter  handelt.

Teekesselchen war in meiner Kindheit ein beliebtes Ratespiel; heute würde man es wahrscheinlich „erzieherisch wertvoll“ nennen. Zu den gebräuchlichsten Ausdrücken gehörten Ton, Flügel, Birne, Schloss, Tau, Schimmel, Hahn, Bank. Mit zunehmendem Alter der Beteiligten kamen dann kniffligere Wörter dazu, wie zum Beispiel Kiefer, Brücke, Zug, Note, Zylinder.

Die unterschiedliche Bedeutung ein und desselben Wortes nennt man in der Grammatik Homonym. Es gibt deren viele, auch in anderen Sprachen. Ich erinnere mich noch genau an das Wort  jumelles  bei meiner Französisch-Prüfung . In der Hektik und unter Zeitdruck habe ich das damals spontan mit  twins  (Zwillinge) übersetzt und erst beim nochmaligen Durchlesen des Satzes gemerkt, dass das keinen Sinn ergab. Es musste  binoculars  heissen, da es sich in diesem Zusammenhang nur um ein Fernglas handeln konnte.

Solche Differenzierungen erkennt nur ein Mensch; eine Maschine kann das nicht.
Und trotzdem will man uns weismachen, dass elektronische Übersetzungsprogramme dazu im Stande sind!

Gerade letzte Woche habe ich wieder von einem EU-Projekt für die Entwicklung einer neuen Übersetzungsmaschine gelesen. Man stelle sich vor : dafür investiert die EU unser gutes Geld!

Ich bin ja nicht grundsätzlich gegen künstliche Intelligenz, aber ein elektronisches Übersetzungsprogramm kann einfach nicht funktionieren. Es gibt zu viele semantische und grammatikalische Nuancen in unseren Sprachen, ganz zu schweigen von den unterschiedlichen Stilelementen und den regionalen oder branchenspezifischen Besonderheiten.

Ich freue mich schon auf meinen diesjährigen USA-Urlaub. In den Touristengebieten findet man die krassesten Übersetzungen. Wer braucht da noch Comics?!

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