Dienstag, 17. April 2012

Schnitzel für Massimo



In meiner Kindheit wurde sehr viel Wert auf Traditionen gelegt.

Ganz klar wurde unterschieden zwischen Wochentag und Sonntag.

Wochentags trugen wir graue Strümpfe. Die weißen durften wir nur an Sonn- und Feiertagen zum schönen Kleid und den schicken Schuhen anziehen. 
Es wurde eine frische blütenweiße Tischdecke aufgelegt und das besonders feine Porzellan eingedeckt. Es gab Weißbrot und zum Mittagessen  Braten oder Geflügel.

An Werktagen gab es einfachere Gerichte, wie etwa Sauerkraut, Würste oder Fleischklöße.

Freitags aßen wir Fisch, meistens Süßwasserfisch aus dem nahen Bodensee.

Damit hatte der kleine Massimo ein Problem. Er verabscheute Fisch. Deshalb kriegte er jahrelang eine Sonderbehandlung. Für ihn wurde ein gleichmäßig geformtes Fischfilet paniert, in Butter gebraten, mit einer Zitronenscheibe dekoriert und mit einem Zahnstocher so markiert, dass es auf keinen Fall verwechselt werden konnte. Das Freitags-Schnitzel wurde zu einer von Massimos Leibspeisen!

So leicht lässt er sich heute allerdings nicht mehr hinters Licht führen.

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