Donnerstag, 12. April 2012

Habe ich mit Ihnen schon mal Schafe gehütet ?



Kürzlich war ich bei einem Reparatur-Termin im Apple Store und wurde gleich bei der Ankunft von den Angestellten geduzt.

Ich bin normalerweise recht locker und kann mit sowas gut umgehen. In diesem Fall hat es mich aber gestört. Es klang so aufgesetzt und unnatürlich.

Etwas Ähnliches habe ich letztes Jahr im Soho House Hotel in Berlin erlebt. 

Das gegenseitige Duzen soll wohl besonders cool wirken. Meiner Ansicht nach ist genau das Gegenteil der Fall.

Bei Apple führen es manche auf die amerikanischen Wurzeln zurück und beim Soho House auf den englischen Ursprung.
Aber das kann man doch nicht einfach so übertragen !

Übersetzer nennen es  „Lokalisierung“, d.h. sie passen den Text dem jeweiligen kulturellen Umfeld an, in diesem Fall Deutschland; und da siezt man unbekannte Erwachsene,  wenn man ihnen zum ersten Mal begegnet, vor allem wenn sie einer anderen Altersgruppe angehören.
Im englischen Sprachraum gibt es zwar keine Sie-Form (nur Gott hat seine eigene Anredeform)  und auch in Schweden duzt man jeden außer den Mitgliedern der königlichen Familie. Man hat in diesen Ländern aber andere Möglichkeiten der Differenzierung. Ich habe gelesen, dass die Schweden sogar überlegen, eine alte Höflichkeitsform wieder aufleben zu lassen. Manchmal hat die Unterscheidung zwischen „Buddy,Buddy“ und Respektspersonen eben doch ihre Berechtigung.
Anders ist es unter gleichaltrigen jungen Leuten und unter Gleichgesinnten bei zwanglosen oder familiären Anlässen .....  oder wenn man in der Schweiz schon mal zusammen Schafe gehütet hat!
Ich würde mir furchtbar steif vorkommen, wenn ich meine Dolmetsch-Kollegen siezen würde. Auch die Freunde meiner Kinder oder die Kinder der Nachbarn, die ich schon von klein auf kenne, duze ich ganz selbstverständlich weiter. Alles andere wäre albern.

Der Unterschied liegt also nicht zwischen cool und uncool, sondern zwischen natürlich und unnatürlich !

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