Freitag, 16. März 2012

Lost in Translation





"Das Verb, das Verb, bitte das Verb!"  Das ist der klassische Hilferuf des Dolmetschers


Manche deutschen Redner machen es den Dolmetschern wahrlich nicht leicht. 
Schnelle, undeutliche oder stark dialektgefärbte Sprechweise, ellenlange Sätze mit Einschiebungen, monoton abgelesene Manuskripte, Witze, Wortspielereien, Anspielungen auf deutsche Persönlichkeiten oder deutsche Werbung können die Leute in den Kabinen  zur Verzweiflung treiben.

Viele Referenten vergessen, dass unter ihren Zuhörern häufig mehr Ausländer als Einheimische sitzen. 

Am liebsten würde ich mal ein Seminar veranstalten für Redner, deren Beiträge verdolmetscht werden. Ich hätte eine Menge guter Tipps parat!


Zahlreiche Ausdrücke aus der Werbung sind in unsere Umgangssprache eingegangen und können durchaus als auflockerndes Stilelement eingesetzt werden. Man denke nur an  "ich abe gar keine Auto" , an  "hier werden Sie geholfen"  oder  "was erlaube Strunz ".  Deutsche verstehen die Anspielung, aber was ist mit den Ausländern?


Bei der Erwähnung von "Schumakker " denken natürlich auch Italiener sofort an Motorsport, aber welcher Franzose  kann mit  „Herrn Kaiser“  was anfangen und welcher Amerikaner versteht wohl die Anspielung auf das  „Kölner Dreigestirn“?  Das ist ja schon für Bayern ein Problem.


Kürzlich bei einer Energie-Konferenz würzte der Vertreter einer Bank seine Vorstellung mit der Anmerkung, er habe beruflich auch mit „Kohle“  zu tun. Sehr witzig! ... aber wie bitte soll man das auf Italienisch so verständlich und schnell rüberbringen, dass die Ausländer an der gleichen Stelle lachen können? Beim Simultan-Dolmetschen hat man ja nicht so viel Zeit, und eine nachgeschobene Erklärung geht womöglich im Applaus der deutschen Zuhörer unter. 

Das Phänomen gibt es natürlich auch in anderen Sprachen. Ich erinnere mich an das gehauchte "B.O."  aus einer englischen Deo-Werbung. B.O. stand für Body Odour (Körpergeruch) und wurde im Bedarfsfall den betreffenden Kandidaten diskret ins Ohr geflüstert. Jeder wusste Bescheid.

Wie wäre das manchmal hilfreich, wenn es so was im Deutschen auch gäbe! Aber das ist ein anderes Thema.

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